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Das Hochzeitsmahl
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Einen besonderen
Platz in der Geschichte der Gemeinde Stetten am kalten Markt nimmt das
mehrtägige Hochzeitsmahl anlässlich der Heirat von Emeretiana
von Hausen mit dem Edlen und Vesten Eitel Bilger vom Stain von Klingenstein
zu Waldberg am 11. September 1590 ein. Zum 1200-jährigen Jubiläum
der Gemeinde, das 1999 gefeiert wurde, haben sich die Stettener Wirte
zusammengeschlossen und rund 600 Gäste nach historischem Vorbild
bewirtet.
Dieses Hochzeitsmahl
fand so großen Anklang, dass es beim zweiten Stettener Spectaculum
nicht fehlen durfte. Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.
Die 750 Karten waren im Nu verkauft. Trotz schlechter Witterung und dem
Umzug in die Alemannenhalle war das Hochzeitsmahl auch bei seiner dritten
Auflage wieder ein Erfolg.
Bei hoffentlich
schönem Wetter können die Mitglieder von "Gast 2000"
am 18. Juli ab 19 Uhr ihre Gäste wieder auf dem Montlhéry-Platz
verwöhnen. Allerdings sind die nummerierten Karten auf 650 Stück
limitiert und können ausschließlich im Vorverkauf bei "Getränke
Nolle" für 33 Euro erworben werden. Davon gehen 26 Euro als
Aufwandsentschädigung an "GAST 2000", sieben Euro kommen
dem "Arbeitskreis Historisches Gemeindefest 2008" zu, der das
Unterhaltungsprogramm zusammengestellt hat. In diesem wirken mit der Herold
Floetry, der lustig-launig durch den Abend führt, das Trio "Donner
& Doria", das sich neben Musik auch auf Kabarett versteht, und
die Artistengruppe "Seelenfunken", die im wahrsten Sinn des
Wortes mit dem Feuer spielt.
Die Mitglieder
von "GAST 2000" - Rößle und Schwanen aus Frohnstetten, Kreuz,
Linde, Sonne, Soldatenheim und Safari-Lounge aus Stetten - tischen ihren
Gästen folgendes Menü auf:
Begrüßungs-Burgtrunk
vom Mundschenk
Becher Met süffig und edel
Domherrenbrot
mit Grieben und Schmalz
Frisch aus dem Ofen, Gott erhalt's
Feines
aus Wald, Garten und Fluss,
die Burggäste freut's, es ist ein Genuss
Am
Adelstisch ist sie bekannt
Brühe mit Klöße, auch Hochzeitssuppe genannt
Landsknechtsbraten
vom Ochsen
und Keule vom Federvieh im Wurzelwerk,
Erdäpfel gebrannt,
Topfennudeln bis der Ranzen spannt
Mit
Naschwerk von süßer Crem ist das Menü zu Ende bald,
dazu gibt es Beeren aus dem Wald
würziger
Käse vom großen Stück kreiert,
von Mägden auf dem Holzbrett serviert
nach
dem Mahl:
eine Prise von der Schnupftabakschleuder
Ein Auszug
aus den Aufzeichnungen über das Hochzeitsmahl anno 1590 gibt einen
kleinen Einblick in das höfische Leben des Späten Mittelalters
- und lässt uns über die Unmengen an Speisen staunen, die damals
verdrückt wurden.
Die
Hochzeitsfeierlichkeiten begannen am Sonntag, 9. September, und dauerten
bis Freitag, 14. September 1590. Insgesamt waren 112 adelige Gäste
zu bewirten, die jeweils mit stattlichem Gefolge von Dienern, Knechten
und Mägden ankamen, so dass rund 800 Personen zu versorgen waren
- sicherlich wesentlich mehr als Stetten damals Einwohner zählte.
Der
Speisezettel des Hochzeitsfestes konnte sich wahrhaft sehen lassen. Verzehrt
wurden laut Aufstellung: Ein Ochse, ein Stier, ein Jungstier, drei Kühe,
13 Kälber, sechs Lämmlein, 34 Schafe beziehungsweise Hammel,
15 Spanferkel.
An Geflügel wurden aufgetischt: Vier Truthähne, 50 Kapaune (Masthähne),
eine weiter nicht näher bezifferte Anzahl von Rebhühnern, 17
Tauben, zwei Haselhühner, eine Ohrhenne, 34 sonstige Vögel,
199 Hühner und 3090 Eier.
An Wildbret
wurden aufgetragen: Drei Hirsche, sieben Hirschkälber, 15 Rehe und
fünf Stück nicht näher spezifiertes Wild.
Außerdem
wurden Unmengen Fisch zubereitet, darunter 40 Karpfen, aber auch Stockfisch
und geräucherter Fisch. Als besonderer Leckerbissen galten 1850 Flusskrebse.
Ein seltener Genuss waren Kapern und Oliven, die aus dem Mittelmeerraum
importiert wurden.
Sieben Malter Korn wurden für Weißbrot verbraucht und neun
Malter für Roggen- und Gesindebrot. Die Pferde haben 95 Malter Hafer
gefressen. Nicht
aufgeführt ist die Menge an einheimischem Gemüse und an Süßspeisen.
Getrunken
haben die Herrschaften in diesen sechs Tagen rund 11100 Liter Wein und
eine Unmenge an Bier, was daraus zu ersehen ist, dass eigens ein Bierbrauer
angestellt wurde.
Erhalten
geblieben sind einige Menüvorschläge und Speisefolgen. Pro Mahlzeit
gab es drei Gänge und pro Gang fünf Auswahlmöglichkeiten
So wurde das Essen am Tage der Hochzeit eröffnet mit gebratener Rehkeule,
Suppe, Rehrücken, eingemachtem Rehkitzfleisch, Rehleber.
Diesem Gang folgten gekochtes Fleisch und Masthahn, Fisch, Mandeltorte,
Masthahn, Wildgulasch. Zum Schluss gab es Kalbsnierenbraten, Krebs, Wildbretpastete,
Gebäck, Gemüse.
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