Die Historie

Wenn eine Gemeinde ihr 1200 - jähriges Bestehen feriert, dann darf sie sich zu ihrem Geburtstag schon mal was Besonderes gönnen. Das dies in Stetten den üblichen Rahmen sprengen würde, war dank des Ideenreichtums und Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger vorhersehbar.

Und so kam es dann auch: Ein mittelalterliches Spektakel wurde aufgezogen, wie es die Region noch nie erlebt hat. Monatelang nähten die Einheimischen Kostüme nach alten Vorlagen, um ja stilecht die Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet empfangen und bewirten zu können.

Aber nur mit lustigem Treiben war es nicht getan. In einem Theaterstück sollte die Geschichte der Gemeinde lebendig und kritisch beleuchtet werden. Autor des Stücks war Franz Xaver Ott vom Lindenhof Melchingen. Mit 250 Frauen und Männern aus Stetten setzte er das Stück "Stetten - dem Himmel so nah" vor dem Rathaus in Szene - ein grandioser Erfolg.

Das eigentliche Spektakel wurde mit dem historischen Hochzeitsmahl eröffnet, dass von der Stettener Wirtevereinigung GAST 2000 angerichtet wurde. Mehr als 700 Gäste in ihren mittelalterlichen Gewändern schlemmten unter freiem Himmel und ließen sich von Gauklern und Akrobaten unterhalten.

Die folgenden zwei Tage herrschte mitten in der City ein großes Markttreiben und ein rießiges Gedränge. Tausende Besucher lauschten den mehr als 60 Musikgruppen, bewunderten die Gaukler, deckten sich an den Marktständen mit mittelalterlichem Material ein und labten sich in den Buden an Speis und Trank.

Am Sonntag kamen die Musikfreunde mit dem "Festival der Spielleute" auf den Tribünen vor dem Rathaus voll auf ihre Kosten. Das Konzert mit den namhaften Gruppen "Elster Silberflug", "Die Mehlprimeln", "Des Geiers schwarzer Haufen", "In Extremo in Rock" sowie Hannes Wader wurde moderiert von Regina Keller und Gunter Haug und vom SWR live im Fernsehen übertragen.

Der Erfolg war so überwältigend, dass der "Förderverein attraktive Region Stetten a.k.M." mit Zustimmung von Bürgermeister Gregor Hipp und des Gemeiderates beschloss, dass Stettener Spectaculum in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. 2002 war es soweit: An die 20.000 Besucher strömten an zwei Tagen durch den mittelalterlich gestalteten Flecken. Verpflegungsnotstand brach aus, da alle Getränke und Gerichte bereits am ersten Tag verzehrt waren. Die Stettener Getränkelieferanten, Bäcker und Metzger schufteten die ganze Nacht, am Sonntagabend war wieder alles weg. Trotz des rießigen Umsatzes klaffte auf Grund der hohen Gagen für die Stars der mittelalterlichen Szene ein Loch im Etat, so dass der Festausschuss mit Magengrimmen beschloss, für das Spectaculum 2005 einen kleinen Wegezoll zu erheben. Die drei Silberlinge pro Tag für nichtgewandete Erwachsene empfanden viele der Besucher angesichts des rießigen Marktes und der Attraktionen auf vier Bühnen als lächerlich: Für die mehrstündigen Konzerte von "Estampie" und "Des Geiers schwarzer Haufen" hätten sie ohne zu zögern nochmals in die Tasche gegriffen.

Inzwischen ist der Ruf des Stettener Spectaculums als weitgehend authentisches mittelalterliches Dorffest ohne Schnickschnack so gut, dass die Organisatoren bereits mehr Anfragen für die vierte Auflage im Jahr 2008 erhalten haben, als sie unterbringen können.